Sonntag, 22. Februar 2015

Jetzt in AUTO BILD KLASSIK 3/2015: Tipps zum schonenden Ausschlachten und die GANZE Geschichte der Collection Baillon



Sie ist schon ein paar Wochen am Kiosk, doch sie hat's in sich: In der aktuellen Ausgabe 3/2015 von AUTO BILD KLASSIK seht ihr Die Patinatoren in Aktion!

Da Patinator Frank für sein Adler Trumpf-Projekt Teile brauchte, haben wir eine völlig kaputte Trumpf Jupiter-Limousine ausgeschlachtet – schonend und mit Bedacht, denn auch ein unrettbares Auto hat historischen Wert. Wie's geht, und was für Erkenntnisse wir aus der kontrollierten Schlachtung gezogen haben, lest ihr auf den Seiten 136 bis 141!


Über einige Hintergründe zur Collection Baillon haben wir hier auf dem Blog ja schon berichtet, doch auf den Seiten 88-97 gibt es nun die ganze Geschichte: Während sich andere Magazine entweder vor Artcurials Karren spannen ließen und Pressemitteilungen wiederkäuten, ist Patinator Frederik (im Hauptberuf Altauto-Journalist) extra nach Échiré gefahren und hat nachgefragt, was es mit der Collection Baillon wirklich auf sich hat. Und ob die Fotos, die Artcurial so nachhaltig um die Welt geschickt hat, nicht ein bisschen zu schön sind, um wahr zu sein...


Viel Spaß bei der Lektüre!


Sonntag, 15. Februar 2015

Originallack erhalten: Ein Restaurierungs-Fallbeispiel mit PinUp-Girl

Wir haben in letzter Zeit vor allem auf Facebook viel Lob für den Blog und unsere Posts erhalten – und das freut uns natürlich riesig! Vor allem aber wurde uns immer wieder die Frage gestellt, wie wir denn eigentlich konkret vorgehen, um Patina zu erhalten. Diesem Wunsch nach Aufklärung will ich mit diesem neuen Beitrag entsprechen; er zeigt keine Universal-Methode, sondern ein Fallbeispiel, denn jedes Patina-Projekt ist anders und verlangt nach Einzelfall-Entscheidungen.


Das ist meine kleine Adler M200 von 1953. Ich
habe sie mir wegen ihres schönen Original-
Zustandes gekauft. Das mag sich den meisten Oldtimerfreunden aufgrund dieser Bilder nicht gleich erschließen, weil sie doch etwas ramponiert aussieht – aber sie ist fast komplett, seit 1962 stillgelegt, und sie trägt ihren – zugegebenermaßen strapazierten und verwitterten – Originallack "Adler Fischsilberblau". Eine traumhaft schöne Farbe, die seinerzeit die Konkurrenz reichlich mit ihrem ewigen Weinrot und Schwarz recht altbacken aussehen ließ.


Eine Adler in diesem Blaumetallic und eben im Originallack zu finden ist reichlich schwer, da er damals natürlich teurer als schwarz war und sich schon zwei Generationen von "Restaurierungswütigen" über diese Maschinen hergemacht habem.
Ein alter Metalliclack hat seinen eigenen Charme. Er glänzt eher seidenmatt, hat ganz andere Metallic-Partikel als heutige Lacke. Vor allem aber handelt es sich um einen Einschicht-Metalliclack – den gibt es heute, zumindest in Deutschland, nicht mehr. Der Lack auf Wasserbasis muss mit hochglänzendem 2K Klarlack überlackiert werden, was erstens eine recht dicke Lackschicht bedingt, und zweitens einen speckschwartenartigen Glanz verursacht.


Das vordere Schutzblech ist verbeult, rostig und teilweise überpinselt
Auch der Tank hat teilweise hellblaue Pinsel-Farbe abgekriegt
Da nun dieses Motorrad noch mit Pappbrief und dem originalen Motor
ausgestattet ist und ich Potential in der Lackerhaltung erkannte, will ich nun anhand des vorderen Schutzblechs einmal demonstrieren, wie man in der Praxis mit altem, verwittertem und problematischem Lack umgeht, der zudem noch teilweise überpinselt ist.


Der Kotflügel sieht ziemlich mitgenommen aus und man erkennt, dass vorne links (in Fahrtrichtung) sich ein großer hellblauer Fleck fast über die ganze Seite erstreckt. Ebenso zeigt sich, dass mittig ein Aufkleber oder ähnliches mit einer markannten Silhouette angebracht war: die berühmte Veedol-Eisläuferin aus den 50er Jahren. Kurzum: Allzu rosig sieht die Sache zunächst nicht aus. Die hellblaue Farbe scheint eine Art Rostschutz zu sein, der auf eine Beschädigung aufgepinselt wurde; beim abtasten mit der Hand ist auch eine leichte Impression zu spüren, also ein kaschierter Schaden.




Der gleiche Befund lässt sich auch am Tank beobachten









Der erste Schritt ist natürlich die Demontage des Kotflügels vom Motorrad. Sorgfältig, als sei er frisch lackiert: Nichts verkratzen und nicht ohne eine weiche Unterlage auf den Boden legen! Der nächste Schritt ist eine gründliche Reinigung von außen und von innen mit reichlich warmem Wasser und etwas Spüli. Das ist ungefährlich und man erkennt erst mal genauer, was Sache ist.






Der Dreck der Jahrzehnte im Inneren des Kotflügels ist hartnäckig. Jetzt heißt es stark bleiben und nicht den Dampfstrahler einsetzen: Einweichen, befeuchten, mit einer weichen Spülbürste vorsichtig schrubben, und der Dreck geht ab. Wo er hartnäckiger ist, hilft auch ein Plastikspachtel, oder auch ganz feine Stahlwolle und viel Spüli. Durch den Schaum wirkt die Stahlwolle kaum abrasiv und das, was noch vom Originallack vorhanden ist, wird nicht entfernt.

Hier der Blick von hinten auf den Kotflügel. Er wurde beidseitig aufgebogen (eine gängige Veränderung bei diesen Adler-Maschinen), um das Spritzwasser abzulenken. Die Folgen dieses unsachgemäßen Umbaus sind ein Riss und abgeplatzter Lack. Auch hier wurde auf der rechten Seite mit der bereits bekannten blauen Farbe gewütet. Die muss irgendwie runter, sonst kann keine Aussage über die Lackerhaltung darunter gemacht werden.


Das Prozedere ist im Prinzip immer ähnlich, von Fall zu Fall jedoch sehr verschieden. Grundregel: Tastet euch vom sanftesten zum aggressivsten Reinigungsmittel langsam heran. Wenn ihr nicht sicher seid, dass sich der Lack mit eurem Mittel verträgt, dann prüft es an einer unsichtbaren Stelle, z.B. auf der Innenseite.
Ich habe mich zunächst für eine mechanische Entfernung der blauen Rostschutzfarbe entschieden, da ich bemerkte, dass sich der Lack bereits ablöst, bzw. absplittert. Da der Originallack offensichtlich nicht angeschliffen wurde, ist der hellblaue Lack keine strukturelle Verbindung mit ihm eingegangen.
Mit einem alten Plastiklineal lässt sich der aufgepinselte Lack abschaben

Was hier so einfach klingt und einfach aussieht, ist eine enorm zeitraubende Arbeit, die durchweg Konzentration erfordert. In diesem Fall saß ich gut zehn Stunden dran (in Worten 10, in Zahlen auch!), bis der ganze blaue Lack zerstörungsfrei runter war. 
Zuerst arbeitete ich mich mit dem Plastik-Lineal vor, dann mit feiner Stahlwolle nebst Wasser und Spüli, um den Farbschatten zu entfernen. Ganz hartnäckige Stellen habe ich mit einem stumpfen, kleinen Schlitzschraubenzieher bearbeitet. Im richtigen Winkel angesetzt, splittert der jüngere Lack einfach weg und gibt den darunter liegenden Altlack frei. Man muss ein Gefühl dafür bekommen.


Hier sieht man die Fortschritte des Lackentfernens. Es geht langsam voran, aber es scheint sich zu lohnen. Spaß macht es allerdings nur, wenn man darunter tatsächlich intakten Originallack findet...
Fast ist es geschafft: nur noch einzelne hartnäckige Lackinseln leisten hartnäckig Widerstand. Wolln doch mal sehn...
Hier das vorläufige Resultat. Der Lack auf der rechten Seite ist vollständig entfernt.

Hier ist der vorher/nachher-Effekt sehr gut zu sehen: Die Mühe hat sich gelohnt!










So, was macht nun unsere Eisläuferin am vorderen Ende? 

Bei genauerer Analyse zeigt sich, dass wir es hier
mit erschwerten Bedingungen zu tun haben. Zuerst wurde wohl in den 1950er Jahren, als die Maschine noch recht neu war, die Dame aufs Schutzblech appliziert. Dann wurde irgendwann eine Blessur mit der hellen Farbe überpinselt. Später wurde dann ein Wappenschildförmiger Aufkleber über die Beine der deutschen Pin Up-Lady geklebt und schließlich, als auch dieser nicht mehr schön war, alles mit einem blauen Metalliclack übersprüht.

Das alles deckt auch die originale, sehr feine Linierung ab. Hier heißt es besonders vorsichtig zu sein, denn eine Linierung ist sehr empfindlich und kann sehr leicht versehentlich beschädigt oder entfernt werden. Die hier angewandte Technik ähnelt zunächst der Stelle hinten. Mit dem Plastikspatel wird die helle Farbe so gut es geht abgekratzt. Doch den Sprühlack lässt er völlig kalt: Jetzt kommt Verdünnung ins Spiel. Ein vorsichtiger Test zeigt, dass Originallack und Linierung der Verdünnung standhalten – also ran!


Et voilà: Aufkleber und Sprühlack-Reste sind runter. Und – Überraschung! – die Füße der holden Eisläuferin sind auch noch da, nachdem der Aufkleber sie geschützt hatte! Ganz vorsichtig fahre ich fort, um nichts zu beschädigen, was ich erhalten möchte. Es ist jetzt auch klar zu erkennen, dass die Veedol-Dame ein klassisches Wasserabziehbild war: An der Stelle, an der sie der Witterung ausgesetzt war, ist sie einfach spurlos verschwunden – fast wie im wirklichen Leben...

Hier das fertige Resultat. Alles Fremde ist entfernt, bis auf die erhaltenswürdigen Reste des Pin Up-Girls, natürlich. Die helle Pinselfarbe sollte die Fehlstelle links abdecken, die durch einen Sturz o.ä. entstanden sein mag. Da hier kein Rost entstanden ist, können wir davon ausgehen, dass sie gleich nach der Abschürfung appliziert wurde. Der Metallic-Sprühlack sollte wohl die feinen Kratzer in der Mitte überdecken.

Fertig. Fertig? Nein – "so lassen" reicht nämlich nicht: Die Oberfläche muss noch konserviert werden, damit sie nicht korrodiert. Für die Innenseite habe ich mich für Owatrol-Öl entschieden: Es hat eine ausgezeichnete Kriechwirkung und stoppt so auch Rost an Stellen, die mechanisch nicht zu erreichen sind, z.B. an den Befestigungen. Aber: Viel hilft NICHT viel! Mit einem kleinen Pinsel ließ ich das Öl unter die Befestigungen laufen und mit einem Lappen habe ich das Öl auf den Flächen aufgetragen. In zwei bis drei dünnen Schichten, nach jeweiliger Abtrocknung.
Außen habe ich den so vorbereiteten Kotflügel dann gründlich mit einer guten Autopolitur (Lackreiniger) poliert. Hier bitte wieder darauf achten, dass man nicht die Linierung wegpoliert. Immer auf den Lappen schauen, ob er Farbe annimmt – falls ja, dann unbedingt langsam machen!

Stärkere Roststellen habe ich mit feiner Stahlwolle behandelt und danach mit Owatrol-Öl und dem Lappen DÜNN behandelt. Auf gut erhaltenem Lack und der blanken Stelle ist Owatrol sinnlos – es hält dort einfach nicht, sondern braucht einen angerosteten Untergrund um haften zu können!

Den rostfreien, blanken Rest habe ich mit einem Korrosionsschutzwachs behandelt, in diesem Fall Elaskon Aero 40 Special. Es hat sich bewährt.

BITTE BENUTZT KEIN LEINÖL ZUR KONSERVIERUNG!! Leinöl trägt dick auf, kriecht nicht, härtet kaum aus, und bildet eine gummiartige Oberfläche. Die Oberfläche wird nicht griffest, sammelt Dreck und Staub und wird schnell unansehnlich! Das Schlimmste aber: Leinöl lässt sich nicht mehr entfernen! Wachs hat diese Nachteile nicht – es muss nur ab und zu frisch aufgetragen werden.


Zum Abschluss seht ihr hier noch den gereinigten, konservierten und polierten Kotflügel, hinten wieder gerichtet, wie er im gereinigten Rahmen sitzt. Sieht es nicht schön aus, wie er würdevoll schimmert und von der Lackierkunst der 1950er Jahre erzählt, von aufregenden Fischsilberblaumetellic der Adlerwerke?

Ich finde schon. Gut, dass er so bleiben darf.

Samstag, 13. Dezember 2014

Collection Baillon: Die wahre Geschichte!

Bild: Artcurial
Nachtrag: Die ganze Hintergrund-Geschichte zur Collection Baillon ist in AUTO BILD KLASSIK 3/2015 nachzulesen, siehe HIER! 

Geschichte wiederholt sich. Die der Sleeping Beauties, zum Beispiel: Vollkommen unerwartet, so scheint es, hat das Auktionshaus Artcurial eine vollkommen unbekannte Sammlung von über 60 Hochpreis-Klassikern entdeckt und wird sie im Februar auf der Rétromobile in Paris versteigern. Mit dabei: Der Ferrari 250 GT SWB California Spider von Alain Delon, oder auch diverse Talbot-Lago mit Saoutchik-Karosserie, wie zum Beispiel der oben gezeigte T26 Grand Sport Nr. 110109.

Bild: Artcurial

Die Geschichte vom großen, wiederentdeckten Auto-Schatz klingt gut. Zu gut. Und deshalb ist Skepsis angesagt, denn Artcurial will schließlich ein gutes Ergebnis erzielen. Und weil die Patina-Welle gerade wuchtig wogt, ist die Gelegenheit dazu besonders günstig.

Hier geht es zur Artcurial-Pressemitteilung!

Das französische Online-Magazine "L'Automobile Ancienne.com" hat die Geschichte bereits am 09.12.2014 unabhängig aufgerollt und jene Frage gestellt, die uns Patinatoren so sehr unter den Nägeln brennt: War die Collection Baillon wirklich so unbekannt?

Hier die (grobe) Übersetzung und Zusammenfassung des Artikels:

Bild: lautomobileancienne.com

Roger Baillon, Unternehmer mit Karosseriebau-Betrieb, kauft nach dem Zweiten Weltkrieg Militär-Lastwagen der Deutschen und Amerikaner auf. Er karossiert sie um, vermietet sie an Gewerbetreibende rund um Niort in Westfrankreich. Schon 1947 zeigt er auf dem Pariser Salon ein Luxusauto eigenen Entwurfs, "L'Oiseau Bleu", dem allerdings kein Erfolg beschieden ist – im Gegensatz zu "Micheline", ein 1950 vorgestellter LKW mit selbst entworfener Frontlenker-Kabine. Die lässt sich prächtig verkaufen und hält bis in die 1960er Jahre 200 Mitarbeiter beschäftigt. Dann gründet Baillon seine eigene Spedition und erfindet einen Tank-Auflieger zum Transport gefährlicher Chemikalien. Mit einer Chemie-Fabrik in Melle, nicht weit von Niort, schließt er einen Exklusiv-Vertrag, die LKW-Flotte wächst ständig.

Roger Baillon ist erfolgreich und verdient viel Geld. Geld, das er in seinen Traum investiert: Ein Automuseum, das er mit seinem Sohn Jacques eröffnen möchte. Schon in den 50er Jahren beginnt er, ehemals teure Luxus-Autos zum Schrottpreis zu kaufen – Bugatti, Delage, und wie sie alle heißen. Lange vor den Schlumpf-Brüdern, übrigens. Über 200 Fahrzeuge besitzt Baillon in seinen besten Zeiten.


Bild: lautomobileancienne.com

Doch aus dem Museum wird nichts, die Sammlung bleibt weitgehend geheim. Die Spedition geht 1978 pleite, das Geschäft vorher schleichend bergab. Baillon kauft stets gebrauchte LKW, die Chemiefabrik in Melle stellt 1967 aber höhere Ansprüche und verlangt die Modernisierung des Fuhrparks. Baillon hat keine andere Wahl, als seinen größten Kunden mit der Anschaffung einiger neuer Berliet zufrieden zu stellen, ergänzt von ein paar gebrauchten Büssing Anfang der 70er Jahre, sowie weiteren Berliet und Fiat Mitte der 70er Jahre. Doch das Verhältnis der beiden Parteien kühlt ab, und 1977 wird der Speditions-Vertrag nicht mehr verlängert: Baillon kann seine Fahrer nicht mehr bezahlen, im Januar 1978 ist Schluss. 

Seltsame Bewegungen auf Roger Baillons Konten rufen zudem die Steuerfahndung auf den Plan. Der Unternehmer landet wegen Steuerbetrugs vor Gericht und wird zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt. Noch bevor er seine Immobilien verflüssigen kann, wird ein Teil der Autosammlung gepfändet und Juni 1979 erste 60 Fahrzeuge für insgesamt 1.285.300 Francs versteigert. Schon diese Fahrzeugliste liest sich märchenhaft:


Bild: lautomobileancienne.com

Die nächste Auktion von nunmehr 32 Fahrzeugen wird erst 1985 stattfinden und weitere 2.557.600 Francs einbringen. 80 Fahrzeuge sind damals noch übrig, und die Lokalpresse fragt sich bereits, wann diese wohl versteigert werden. Heute kennen wir die Antwort: 2015. 

Roger Baillon starb Anfang der 2000er Jahre, die Familie behielt die verbliebenen Fahrzeuge aber weiter. Bis auch sein Sohn Jacques im Oktober 2013 verstarb und die Erben sich an Artcurial wandten. 


Bild: lautomobileancienne.com
War die Sammlung also so geheim? Eigentlich nicht – die Lokalpresse wusste zum Zeitpunkt der zweiten Auktion bereits, dass ein weiterer Teil der Sammlung bei Roger Baillon verbleiben würde, und dass es sich um knapp 80 Fahrzeuge handelte, von denen einige besonders wertvoll wären. Es waren demnach sowohl die Größe der verbliebenen Sammlung, als auch Teile ihrer Zusammenstellung bekannt. 

Außerdem hatten Marken-Clubs die Fährten einiger Wagen aufgenommen, darunter die Amicale Facel-Vega: Ihr war bekannt, dass sich ein Facel-Vega Excellence im Département Deux-Sèvres befinden müsse. Darüber hinaus tauchten 2010 in einem großen Internet-Forum Fotos auf, die jemand über eine Mauer geschossen hatte und dazu erklärte, dass sich "in Deux-Sèvres eine vergessene Sammlung befinde". Die Fotos sorgten schnell für einigen Wind, verschwanden aber schnell wieder. Unbekannt war die Sammlung also nicht – unerreichbar allerdings schon. 


Bild: Artcurial
An die 95 Fahrzeuge sollen noch vorhanden sein, von denen aber nur 60 von Artcurial im Februar verkauft werden – wer auf den Fotos genau hinschaut, erkennt eine Renault Dauphine, einen Renault 12, einen Peugeot 604, einen 204 und andere. Was wird nun aus ihnen? Ein Mitarbeiter von Artcurial teilte auf Anfrage mit, dass die nicht auktionierten Fahrzeuge im Besitz der Erben verbleiben werden. Ein anderer ergänzte darüber hinaus, dass aufgrund ihres schlechten Zustandes nicht alle Fahrzeuge zur Rétromobile transportiert werden können. 

[…]

Übrigens: Die Entdeckung der Sammlung wurde am 5. Dezember 2014 publik gemacht, die Auktion wird am 6. Februar 2015 stattfinden. Artcurial ist mit einem internationalen Medien-Echo ein enormer Publicity-Coup gelungen. Vor der Versteigerung werden die Autos mehr als jemals zuvor beworben, was besonders Spekulanten anlocken wird – die Stammkunden großer Automobil-Auktionen. Wer kauft was, und zu welchem Preis? Im Februar kennen wir die Antwort.



Soweit die Ausführungen von l'automobileancienne.com .

Liebhabern hervorragender Druckwaren ist der oben gezeigte 1949er Talbot-Lago T26 Grand Sport mit der Chassisnummer 110109 übrigens schon seit 2012 bekannt: Der renommierte Automobilhistoriker Peter Larsen hatte in seinem zweibändigen Werk über den Grand Sport die Geschichte des Wagens erzählt (S. 356–366) und auch Bilder vom aktuellen Zustand gezeigt, die er von Jacques Baillon erhalten hatte; dieser gab in der Korrespondenz mit dem Autor als Standort Bordeaux an und erklärte, er habe den Wagen um 1980 im Osten Frankreichs gekauft. Zitat: "It was in very bad condition and had been rear ended, or had an accident to the rear. The car is still not restored. The car is stored "safe" in a shed."

Über die Jahre hätten immer wieder Sammler und Händler versucht, Baillon den Talbot-Lago abzukaufen, schreibt Larsen weiter. Im Januar 2012 sei 110109 von einem anonymen Sammler gekauft worden, der einen kompletten Neuaufbau anstrebe. Ob es sich bei dem anonymen Sammler vielleicht schon um Artcurial handelte? Vielleicht. Vielleicht hat Monsieur Baillon aber auch zum Schutz seiner Autos ein wenig geflunkert. Schöne Geschichten kann das bekanntlich noch schöner machen – besonders, wenn sie sich wiederholen. 

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Opel Olympia mit Zeitspuren: Wie lange hält er noch?

Hanns-Lüdecke Rodewalds Opel Olympia CarAVan ist eine Provokation auf Rädern – das finden zumindest Polizei und Ordnungsamt, und traktieren den Oldtimerfan unter anderem mit Zwangsstilllegungen: "Autowrack kraft Vermutung" schreiben sie dann auf's Knöllchen, und dabei ist der Opel nicht nur voll fahrbereit, sondern besitzt auch einen gültigen TÜV-Stempel. 

Rodewald ist Professor für Fahrzeugtechnik. Er will herausfinden, wie lange ein Auto durchhält, wenn immer nur das Nötigste repariert wird. In diesem Film erzählt er von seinen Erlebnissen mit dem Opel und geht auch auf die Frage ein, was eigentlich ein "erhaltenswerter Zustand" ist...


Tipp: In Auto Bild Klassik 2/2012 erschien ein Interview mit vielen Detailfotos vom Auto – Titel: „Der Schimmelreiter“ !

Montag, 20. Oktober 2014

Löcher stopfen, Patina erhalten: So wird ein 1951er Adler Fahrrad wieder original


Die goldene Hochzeit haben die beiden bereits hinter sich.

Auf der diesjährigen Herbst-Veterama lief mir ein gut erhaltenes, rotes Adler Fahrrad von 1951 über den Weg. Naja, eigentlich waren es zwei – ein Pärchen, sozusagen. Ich liebe diese bunten Räder aus der Nachkriegszeit und den zögerlichen Optimismus, den sie ausstrahlen. Außer in rot gab es sie noch in blau und grün, doch leider erwies sich der Lack als nicht so haltbar wie der bis dato so bewährte schwarze Einbrennlack. Ich musste die beiden also kaufen, ungeachtet der Konsequenzen...

Marke und Typ mit der Schablone aufgesprüht – damit das klar ist...

Denn: Das Herrenrad wurde irgendwann "optimiert" und eine moderne Hinterradfelge mit 1970er-Jahre Dreigangschaltung eingebaut und in den 80ern ein neuer Lenker montiert. Schlimmer aber: Vorne hat jemand in das originale Schutzblech ein riesengroßes Loch reingeschnitten, um eine seilzugbetriebene Stempelbremse einzubauen. Der letzte Schrei – in den 60ern.

Die "moderne" Version der althergebrachten Stempelbremse am Adler-Herrenrad.

Da ich vor Jahren mal ein Adler aus derselben Zeit geschlachtet hatte (Rahmenbruch!), konnte ich den Kauf dieses Exemplars immerhin als glückliche Fügung verbuchen. Denn Adler-Fahrräder hatten immer eine besondere Bremsführung, die im vorderen Schutzblech eingearbeitet war – ein sehr elegantes Detail. Und einen originalen Lenker mit komplettem Bremsgestänge hatte ich auch noch. Also: frischauf ans Werk!

Das barbarisch reingeschnittene Loch für das Bremsen-Update. Schmerz lass nach! 


Erster Schritt: Die Reste der alten Bremsführung, die an das Schutzblech gepunktet ist, sorgfältig entfernen.

Die drei Schweißpunkte sind gekörnt und können ausgebohrt werden

Die Schweißpunkte sind nun ausgebohrt. Es reicht, durch ein Blech zu bohren.

Die abgeschnittene Bremsführung ist ausgebohrt. Ganz links ist die intakte originale Adlerbremsführung vom Schlacht-Rad.

Die alte Bremsführung aus dem Schlachtrad (das vordere Schutzblech war damals nicht mehr zu retten) hat genau die gleiche Bauart. Wie Opa immer sagte: Nur nichts wegwerfen! ;-) Nun können also rotes Schutzblech und originale Bremsführung wieder zusammenfinden.

Anprobe der neuen alten Bremsführung. Hier wird deutlich, wie groß das ins Schutzblech reingeschnittene Loch ist.


Die erste "Anprobe" zeigt, dass die Bremsführung passt und die richtige ist. Nun muss das Schutzblech behutsam wieder in Form gedengelt werden, da diese durch das Rausschneiden und Reinwürgen der modernen Bremse, ähm, "verändert" wurde...

Das nun grob gerichtete Schutzblech und die gesäuberte Bremsführung wurden mittels einer Gripzange im Schraubstock fixiert und wieder durch die Bohrlöcher mit dem Schutzgas-Schweißgerät festgepunktet. Da das Fahrrad-Blech sehr dünn ist, muss die Stromstärke stark runtergeregelt werden, sonst brennt es sofort durch! Danach werden die Schweißpunkte mit einer Fächerscheibe und dem Winkelschleifer geglättet. Die Fächerscheibe hat weniger Abtrag als eine Schruppscheibe und ist hier somit sinnvoller.

Fixieren der Bremsführung und des Schutzbleches mit einer Gripzange

Die Bremsführung ist durch die Löcher der ausgebohrten Schweißpunkte wieder angechweißt worden.

Nach dem Glätten der Schweißpunkte mit Winkelschleifer und Fächerscheibe (Achtung! Feingefühl und Schutzbrille erforderlich! )

Jetzt wird das ausgeschnittene Loch geflickt:

Ein Stück Blech wird leicht gebogen und ein Loch mit dem richtigen Durchmesser gebohrt (hier 16mm).

Passt! Nur das Blech ist noch etwas zu groß.

Hier ist das Reparaturblech grob eingepasst und kann stumpf eingeschweißt werden.
Sitzt, passt, wackelt und hat Luft.

Dasselbe noch mal, nach dem Feinschliff.

Leider geht solch eine Operation, wenn auch sensibel durchgeführt, immer auch zu Lasten der Originalsubstanz: Rund um die Schweißstelle brennt der Lack weg. Allerdings ist das hier m.E. zu rechtfertigen, da die originale Funktionalität und das ursprüngliche Aussehen wiederhergestellt werden – Stichwort: Restaurierung!

Nach der partiellen Grundierung mit Owatrol CIP (exzellente Kriechwirkung!) sieht es schon nicht mehr so wild aus.

Nach dem Trocknen der partiell aufgetragenen Grundierung kann nun die Montage erfolgen. Die Spannung steigt: Passt alles?

Bremse funktioniert, sieht gut aus. Und der Adler ist auch wieder auf dem Schutzblech gelandet.

Es passt! Nach erfolgreicher Reparatur bzw. partieller Restaurierung funktioniert die originale Adlerbremse wieder wie am ersten Tag. Die dünnflüssige Grundierung Owatrol CIP verhindert das Rosten der Schweißstelle und fließt dank Kapillarwirkung bis in die letzte Ritze zwischen den Blechen.

Der nächste Schritt wird sein, die Grundierung mit 400er Schmirgelpapier nass zu schleifen und die Stelle mit einer Airbrushpistole beizulackieren. Farbe muss ich mir sowieso anmischen lassen, da einige Stellen auszubessern sind und ich eine hintere Felge lackieren muss. Leider muss das Rad sich jetzt etwas gedulden, da andere Projekte anstehen. Aber der erste Schritt ist gemacht.

Ich hoffe es hat Euch inspiriert, was man mit Geduld, den richtigen Geräten und etwas Erfahrung tun kann, ohne eine originale Substanz völlig zu ruinieren :-)