Sonntag, 11. September 2016

Endlich wieder eine Miele im Haus!



Ich pflege ja eigentlich keine besondere emotionale Bindung zu meinen Altfahrzeugen. Eine kleine Miele K52/2 allerdings ging nicht ganz spurlos an mir vorüber. Wirklich bewusst war mir das allerdings nicht.

Rückblende: Es muss vor ungefähr 25 Jahren gewesen sein. Ich war zarte 14 Jahre alt. Für alte Gerätschaften und Fahrräder interessierte ich mich bereits brennend, und so machte ich zu den damals noch paradiesischen Sperrmüllterminen die Stadt unsicher.

Man plant ja auch mit 14 schon voraus, und so konnte auch ich den 16. Geburtstag kaum erwarten, der ja irgendwie greifbar war. Dass ich keine 80er DT oder MTX fahren wollte, war mir damals schon klar.

Ich hielt also die Augen auf, und so lief sie mir zu, meine erste Miele K52/2 von 1960. Orange/ Schwarz, nicht wirklich komplett und nicht fahrbereit. Aber für mich sah sie aus wie von einem anderen Stern.

Die Tragik war, dass ich keine Ahnung hatte. Dass dem so war, ahnte ich allerdings nicht. Eine schlimme Kombination. Ich erinnere mich auch nicht mehr, wie gut die Miele war. Egal, sie wurde sofort auseinander gerissen und wild durcheinander gewürfelt.
Original bis ins letzte Detail, auch wenn man dem weiteren Verfall bestimmter Teile leider nur machtlos zusehen kann....



Der Rahmen musste neu lackiert werden. Ich meine mich heute zu erinnern, dass der Lack gar nicht mal schlecht war. Egal, sie sollte ja schön werden. Glänzender Lack und so. Also habe ich mit der Bohrmaschine und Stahlbürstenaufsatz entrostet und Lack entfernt. Ich bin dann mit dem vorderen Schutzblech zu einem alteingesessenen Farbengeschäft in der Altstadt getigert und wollte wieder einen Lack in dieser Farbe. Orange-Rot.

Nach ausführlichem Herumprobieren wurde ein viel zu roter Lack angemischt, den ich stolz mit nach Hause nahm. Dort angekommen, wurden die Blechteile gleich lackiert. Immerhin mit Kompressor und Spritzpistole. Da ich damals schon ein kluges Kerlchen war, hatte ich vorsorglich die weißen Zierlinen auf Rahmen und Kotflügel präzise mit Malerkrepp abgeklebt. So brauchte ich mich nicht um einen (damals unerschwinglichen) Linierer zu kümmern.

Die Linierung ist zwar eher nicht fligran, aber dennoch eine Sache für Spezialisten.

Also wurde lackiert. Alles schön rot-orange im falschen Farbton dick aufgetragen. Teilweise lief er, teilweise gab's Orangenhaut. Ach ja, und Staub natürlich auch.

Dann zog ich den Malerkrepp runter. Bei noch nicht ausgetrocknetem Lack. So sagte man mir. Genial! Lack war teilweise unter den Malerkrepp gelaufen, der neue Lack war gefühlt einen halben Zentimeter höher als die Linie... Naja, irgendwie hatte ich ja aber die Linien gerettet.

Man hatte mir einen Kunstharzlack angemischt, der nach 2 Wochen noch nicht so hart war, dass man ihn anfassen konnte. Genaugenommen ist er nie ausgehärtet. Egal, der Zusammenbau musste beginnen. Die Fingerabdrücke im Lack nahm ich billigend in Kauf...

Alle Armaturen und Griffe sind noch dran, wie 1960 ausgeliefert.

Die Miele wurde bald komplettiert. Der Tank war und blieb innen rostig, es waren zwei unterschiedliche Felgen und Reifen drauf, Der Schaltgriff war ein falscher, Kleinteile fehlten und der Motor lief nicht richtig. Vielleicht lag's an dem Rost im Tank, der immer den Benzinhahn verstopfte, oder daran, dass der Sachs-Zweitakter noch nie geöffnet worden war.

Der 50 ccm-Zweitakter ist ein Klassiker des deutschen Motorenbaus.

Ich war einerseits stolz auf die "Restauration" (heute weiß ich, dass es "Restaurierung" heißt), andererseits merkte ich, dass etwas nicht gut war. Ich war mit dem Lack und den Linien nicht glücklich. Dass die Miele nie richtig lief, wurmte mich außerdem. Sie wanderte in eine Ecke der Garage, wurde nie gefahren. Irgendwann mit 17 oder 18 verkaufte ich sie weiter. Mit einem flauen Gefühl, denn ich merkte, dass ich auf ganzer Linie versagt hatte.

Von alldem gibt es leider (oder zum Glück?) keine fotografische Dokumentation, und so ist das hier gezeigte Moped selbstredend ein anderes. 

25 Jahre später: Das verhängnisvolle Ebay-Surfen am Sonntagnachmittag. Nach vielen geglückten Projekten, und mit schönen alten Motorrädern gesegnet, sah ich sie, und es traf mich mit voller Wucht: Eine Miele K 52/2 von 1960. Mit original Kundendienstkarte, Betriebserlaubnis, und 6000km auf dem Tacho. Originallack, komplett, und nicht sonderlich gammlig, oder rostig. Genau die Farbkombination meiner guten, – äähm, ja, also: meiner alten Miele!

Original Kundendienstkarte und Betriebsanleitung – Jackpot!

Ich war innerhalb von Sekunden überzeugt, dass ich sie haben müsste. Ich fühlte, dass ich etwas wieder gut zu machen hatte...

Eine Woche warten, und am nächsten Sonntag bieten! Ich fieberte die ganze Woche darauf hin. Und ja, ich bekam den Zuschlag. Nach nettem Kontakt mit dem Verkäufer, der mir noch die Geschichte des Mopeds etwas erhellen konnte, kam es 10 Tage später per Spedition bei mir an.

Der Gesamtzustand legt nahe, dass die 6055 Kilometer auf dem Tacho original sind.

Es wirkt vertraut, und doch so befremdlich: Dieses Moped ist so viel besser als seine Schwester, die ich in den 90ern hingerichtet habe. Alles ist am richtigen Fleck, es hat sogar noch die originale Weißwandbereifung montiert, mit der es ausgeliefert wurde. Eine ware Zeitkapsel. Es fühlt sich an, als ob ein lange gesuchtes Puzzlestück endlich an seinem Platz sitzt.

Im Winter werde ich mich intensiv um die kleine Miele kümmern. Nicht mehr als nötig, aber wie immer so gründlich, wie es sein muss. Dazu gehört eine weitgehende Demontage und intensive Reinigung. Der Tank hat innen Flugrost, der Hauptständer fehlt, das Emblem auf der rechten Seite wurde irgendwann mal abgerissen.

Der Allgemeinzustand ist gepflegt, an vielen Stellen zeigen sich vor allem Materialalterung und Verschmutzung.

Alles wird penibel dokumentiert werden, alle Schrauben werden wieder genau an ihren Platz kommen. Sie bekommt neue Reifen, wobei die alten dunkel eingelagert werden.


Nicht mehr zum Fahren geeignet, aber ein unersetzliches historisches Dokument, das konserviert werden muss: Continental "CordBallon"-Reifen


Ein Moped in diesem Zustand ist eine ideale Ausgangsbasis für eine erhaltende Konservierung und Restaurierung. Und diese Miele K 52 wird sicherlich eine der am besten original erhaltenen sein. "The Real Deal" für jeden Liebhaber originaler Fahrzeuge.

Wie gut sie mit nur 6000 km auf dem Tacho wohl laufen wird? Alte Zweitakter laufen zwar immer irgendwie, doch noch habe ich keinen Startversuch unternommen, um keinen Schaden anzurichten. Zuerst muss der Zylinder runter, der Vergaser muss zerlegt und gereinigt werden, und die Zündung muss überprüft werden.

Habt ihr auch schon mal ein altes Moped gerettet? Zeigt's uns, wir sind neugierig!


Die Miele wartet nun auf den Winter – und auf ein neues Emblem für die rechte Seite des Tanks!

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