Montag, 4. August 2014

Classic Days 2014: Express Radex 100, konserviert statt totrestauriert


Wenn wir Patinatoren über Veranstaltungen streunen, sind es nicht immer die großen Stars, die uns faszinieren. Bei den diesjährigen Classic Days auf Schloss Dyck zum Beispiel blieb ich an dieser Express Radex 100 hängen: Scheinbar auf eigener Achse aus der Umgebung angereist und auf dem Miscanthusfeld geparkt, stach sie aus einer Gruppe von 98 ccm-Motorrädern besonders heraus.

Immer wieder beeindruckt mich an solchen Maschinen die feine Struktur der Linierung, die immer von Hand aufgebracht wurde. Wie entseelt und reizlos wirkt dagegen doch die unten gezeigte, neu aufgebaute Wanderer!

Die Patina hat der Express-Besitzer offenbar gründlich konserviert. Insgesamt wirkte das Motorrad dabei etwas glänzig – ob da Owatrol zum Einsatz kam? Ich weiß es leider nicht, und kann nur meine Bilder sprechen lassen.

Falls also jemand hier sein Bike wiedererkennt: Bitte melden!












Freitag, 25. Juli 2014

Skandal: BMW-Museum will Elvis-507 zerstören

Auferstanden als Ruine: Der BMW 507, mit dem Elvis Presley einst durch Bad Nauheim rauschte. Foto: BMW Group 

Sie meinen es natürlich nur gut, die Leute vom BMW-Museum. Schließlich kann und darf es einfach nicht sein, dass der BMW 507, mit dem Elvis Presley in den 50er Jahren durch Deutschland rauschte, nur noch ein Wrack ist. Doch es ist nun mal so, und deshalb wollen die BMW-Leute ihn restaurieren. Das heißt in diesem Falle: neu aufbauen.

Sein letzter Besitzer fuhr den Roadster sechs Jahre lang, dann lagerte er ihn ein. Foto: BMW Group 

Seit 1968 war der Wagen im Besitz des Amerikaners Jack Castor; der wusste, was er da hatte, fuhr den Wagen sechs Jahre lang, schaffte es danach aber nie, ihn zu restaurieren: Schon alleine das Beschaffen von Teilen erwies sich als schwierig. Der BMW-V8 war irgendwann gegen einen Ford-Motor ausgetauscht und eine Borg Warner-Automatik reingewürgt worden. Die ganze Geschichte vom Vor- und Nachleben des Autos kann in AUTO BILD KLASSIK 1/2010 nachgelesen werden.

BMW hat das Wrack nun für vermutlich sehr viel Geld gekauft. Und stellt es erst mal im Museum aus: Die Welt kann nun noch ein letztes Mal die Staubschichten auf dem Blech zählen, denn bald schon werden die hauseigenen Restaurierer über den Wagen herfallen, ihn fleddern und den anderen 507 gleich machen.

Auf dem BMW liegt der Staub von Jahrzehnten. 507-Spezialist Karlheinz Lange sagt, er habe noch nie einen schlechteren gesehen. Foto: BMW Group

Vielleicht ist dies das eigentlich Schlimme: Jetzt ist er noch der Elvis-507, mit falschen Uhren im Armaturenbrett, einer nachträglich genähten Katastrophe von Innenausstattung, und wahrscheinlich genug Rost, um daraus fünf neue Ladas zu bauen.

Frisch restauriert wird er – wahrscheinlich – ein weißer oder roter 507 sein, wie alle anderen.

Tolle Idee, das mit der roten Farbe – und so langlebig! Foto: BMW Group

Seit Elvis waren das beim 507 immer wieder Trendfarben. Es wird ein Schild vor dem Wagen stehen müssen, um seine prominente Geschichte zu erklären. Er wird nicht mehr selbst erzählen können, dass der King ihn einst rot lackieren ließ, weil seine weiblichen Fans ihre Lippenstifte nicht vom weißen Blech lassen konnten.

Wann und wie der BMW in die USA kam, ist nicht bekannt. Auch nicht, wann Elvis sich von ihm trennte. Foto: BMW Group

Sicher, Substanz zum Retten und Konservieren ist kaum mehr übrig, das Ergebnis wäre allenfalls Flickwerk. Eine Patina-Restaurierung ist also kaum denkbar. Aber: Muss denn jedes Auto restauriert werden?

Vermuten wir mal, dass der Armaturenbrett-Bastler einen schlechten Tag hatte. Foto: BMW Group

Dieses offenbar schon, und die Erklärung ist wahrscheinlich ganz simpel:
1. wird das restaurierte Auto – mindestens – schlappe 1,5 Millionen Euro wert sein und
2. pflegen Autohersteller ihre Historie bekanntlich nur zu Marketingzwecken, also: um Neuwagen zu verkaufen. Und das funktioniert am besten, wenn sich ein Oldtimer nicht nur im Studio, sondern hochglänzend fotografieren lässt.

Zuletzt gurgelte hier ein Ford-V8. Der originale BMW-Motor bleibt verschollen. Foto: BMW Group

In ein paar Jahren, wenn die Restaurierung abgeschlossen ist, werden wir den BMW also wiedersehen. Frisch und munter, wie neu, und wie ein 507 eben sein muss.

Gähn.


Link: Im BMW 507 auf den Spuren des King

Link: Ausstellung im BMW-Museum

Foto: BMW Group

Foto: BMW Group

Foto: BMW Group

Foto: BMW Group


Samstag, 7. Juni 2014

Nachtrag: Gute Nachrichten vom Adler Trumpf!

Man erinnere sich: links das Original, rechts die Fälschung – dachte ich!
Im letzten Post über den Adler Trumpf habe ich eine erste gründliche Bestandsaufnahme des Wagens beschrieben: Was fehlt, was original ist, was nicht, usw. Zwischenzeitlich habe ich hauptsächlich recherchiert und versucht, Informationen und Originaldokumente aufzutreiben. Das ist gar nicht so einfach, weil die Adler Trumpf-Serie doch stetig verändert wurde und ich erst eine exakte Liste aus dem Jahr 1935 finden musste.

Normalerweise ist die Lektüre einer Ersatzteilliste aus dem Jahr 1935 eine eher traurige Angelegenheit, da man gewöhnlich so viele Teile entdeckt, die man noch nie gesehen hat, oder die schlicht und ergreifend nicht mehr da sind. Und man nicht den Hauch einer Idee hat, wo man sie denn herbekommen soll – den Fernsprech-Apparat der Adlerwerke in Frankfurt nimmt jedenfalls keiner mehr ab, und die örtliche Niederlassung sieht auch geschlossen aus...

Auch hier meldet sich niemand. Deprmierend. Ich hätte Interesse.

Nun, laut dem Standardwerk von Werner Oswald "Alle Adler Automobile" muss der Trumpf 1,7 AV von 1935 einfach 17 Zoll Felgen haben. Also lag es nahe anzunehmen, dass die 16 Zoll-Felgen meines Autos von einem anderen Wagen stammen und ausgetauscht wurden. Im (autovernarrten) Freundeskreis ergaben sich wilde Spekulationen.

"Klar, die haben das Auto vor der Wehrmacht versteckt und die Felgen abmontiert und vergraben und dann nach dem Krieg nicht mehr gefunden!"

"Ja, weißt Du das nicht? In der DDR gab es keine 17"-Reifen. Nirgendwo! Na, da haben die irgendwelche 16-Zöller draufgemacht!"

Mir kam das alles spanisch vor, denn der Lochkreis passt, das mittlere Loch passt absolut milimetergenau auf die Radnabe. Unter dem roten DDR-Lack kommt beige-grau zum Vorschein, der Farbton des Originallacks. Aber eben in 16 Zoll.

Dann fielen mir die beiden Stützkeile hinten unten an der Ersatzradhalterung auf. Sie sind an meinem sehr originalen Trumpf 1,5 AV nicht montiert; also dachte ich, dass sie benötigt würden, um die etwas kleinere 16 Zoll-Felge abzustützen – mit 17 Zoll füllt die Felge ihre Mulde schließlich perfekt aus. Bei näherem Hinsehen machten die Stützen aber einen perfekt gefertigten Eindruck. Sie waren nicht selbstgebaut.



Doch dann, bei einem gründlichen Studium des Ersatzteilkataloges, stolperte ich über dieses Bild:

Man beachte die Ersatzteilnummer 71
Es sind also Originalteile. Aha! Der Text verrät mehr. Die beiden Stützen gehören zu 16 Zoll-Felgen mit Aero-Reifen! Was genau Aero-Reifen sind, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Ich vermute breitere Ballonreifen. Es soll die Dimension 16 x 5,75 aufgezogen werden, was erstaunlich weit ist. Aber meine Felgen sind von Hering, nicht von Kronprinz, wie bei diesem Modell üblich.

Schnell in der Ersatzteilliste nachgeschaut:


Volltreffer! Es gab den Adler auf Wunsch mit 16 Zoll Kronprinz Rädern ab Werk! Alles ist original! Nur die angeschweißten Blechnäpfe für die Radkappenaufnahme fehlen. Nun, die sollten irgendwie zu finden, oder auch nachzufertigen sein.

16-Zöller haben übrigens nur Vorteile: Besseres Fahrverhalten und eine anständige Reifenauswahl, um genau zu sein.

Man beachte auf der Liste, dass es den Adler sogar mit 20 Zoll Felgen gab – zur Erhöhung der Bodenfreiheit. Wahrscheinlich für Geländesport-Fahrten, die damals sehr in Mode waren.

Ich hoffe, dass dieser Nachtrag zeigt, wie wichtig die passende Literatur zum Auto ist. Ohne die (richtige) Liste hätte ich vermutlich die 16 Zoll-Felgen verbannt und ewig nach 17-Zöllern gesucht..........

Und der Adler? Der wird nach und nach zerlegt und dokumentiert. Dann soll erstmal der alte Lack runter. Wie ich das mache, muss ich mir noch gründlich überlegen.


Dienstag, 27. Mai 2014

Sekundär-Patina dank DDR-Vergangenheit: Mein 1935er Adler Trumpf


Schon lange war ich auf der Suche nach einem erschwinglichen deutschen Kabriolett aus den 1930er Jahren gewesen. Mein favorisiertes Objekt der Begierde war immer ein Opel Super 6, da dieser elegantes (wenn auch sehr amerikanisches) 30er Jahre-Design mit ausreichend Motorleistung verbindet.

Hier ein Opel 2 Liter Kabrio, ähnlich Super 6 aus einer alten Blaupunkt Werbung

Doch in den letzten fünf Jahren wurde nur wenig angeboten – meistens überteuerter Schrott. Nur ein Fahrzeug, identisch mit dem oben abgebildeten, wurde mir vor der Nase weggeschnappt.

Nun, wie es der Zufall so will, entdeckte ich eines Tages beim Surfen durch Mobile.de einen auf den ersten Blick gar nicht so übel aussehenden Adler Trumpf von 1935.

Für alle, die nur den Trumpf Junior kennen: Der Trumpf war zuerst da, er kam 1932 auf dem Markt, hat zwar das gleiche Frontantriebskonzept, aber größere Abmessungen, ist bedeutend luxuriöser. Und er hat Leistung! Im Falle eines Trumpf 1,7AV 38 glückliche Pferdchen. Aber: Der Trumpf ist bedeutend seltener als der Trumpf Junior: Den nämlich verschmähte die Wehrmacht, weil ihr magere 995 ccm UND Frontantrieb in Kombination dann doch nicht geheuer waren...

 
Adler Trumpf 1,5AV Kabrio Mod. 1933
Eigentlich bin ich schon seit meiner Kindheit von den Fahrzeugen der Adlerwerke begeistert. Vor zwei Jahren kaufte ich günstig einen Adler Trumpf 1,5AV von 1933 in einem traumhaften Originalzustand, den es irgendwie nach Frankreich verschlagen hatte: Bis 1956 war er im Département Belfort gelaufen.

Meine Trumpf 1,5AV Limousine – "dans son jus", wie der Franzose sagt
Nun hatte ich ja schon einen Trumpf – und sah mich nach einem zweiten als Kabrio um, sodass (theoretisch) beide Wagen mehr oder weniger parallel zum Leben erweckt werden könnten. Obwohl die Adler-Wagen vergleichsweise altbacken daherkamen, finde ich sie in ihrer Schlichtheit eleganter als die zeitgenössischen Mitbewerber aus Rüsselsheim: Der Frontantrieb bedingte eine lange Haube, die fehlende Kardanwelle eine niedrigere Karosserie. Und dann ist da noch der traumhaft schöne Adler auf der Kühlermaske, der 1929/30 von Prof. Walter Gropius (Initiator des Bauhaus Dessau) für Adler entworfen wurde.

Nur wenige Fahrzeuge tragen ein Stück Designgeschichte am Kühler: Der Trumpf mit seinem von Walter Gropius entworfenen Adler gehört dazu. 
Doch zurück zu dem Trumpf Kabrio aus dem Internet. Ausgestattet mit Literatur und etwas Adler-Hintergrundwissen besichtigte ich den Wagen – und war zunächst ernüchtert: Bei näherem Hinsehen sah das alles ziemlich nach "Ost-Auto" aus. Eigentlich wollte ich nie mehr ein Fahrzeug mit DDR-Vergangenheit kaufen, da fehlende Teile und schlechte bzw. improvisierte Reparaturen meistens einen erheblichen Mehraufwand bedeuten. Bitte nicht falsch verstehen: ich habe hohen Respekt vor der Leistung, ein Vorkriegsauto im real existierenden Sozialismus am Leben erhalten zu haben. Nur habe ich für mich die schmerzliche Erfahrung gemacht: Je weiter aus dem Osten, desto hoffnungsloser verbastelt.

Nun gut, der Adler wirkte in sich solide. Es war aber keine Karmann-Karosserie, wie angeboten, sondern eine von Ambi-Budd: Ein unsensibler Schweißer hatte nach einer A-Säulen-Reparatur die Plaketten wohl einfach weggelassen.

Diese Plaketten sollten eigentlich links und rechts an den A-Säulen befestigt sein.
Leider fehlten die originalen Stoßstangen, die Radkappen, die Blechnäpfe auf den Felgen, die originale Bosch-Zündspule mit Zündschloss (TF 6/3) und zwei von vier Instrumenten. Die Kotflügel vorne sind dick gespachtelt etc. Positiv: Die Innenaustattung wurde in der DDR einmal sorgfältig in 70er Jahre-beigem Cord erneuert (Laien werden die Abweichung vom Original kaum bemerken), und die Technik erwies sich als komplett: Alle elektrischen Bauteile wie Verteiler, Lichtmaschine, Anlasser waren noch da, und auch der Vergaser entsprach der Original-Ausrüstung!

Nach reiflicher Überlegung und Kostenkalkulation (und dreimal überschlafen), machte ich dem Besitzer – der den Wagen aus gesundheitlichen Gründen verkaufen wollte – ein für mich gerade noch akzeptables Angebot, auf das wir uns dann einigten. Eine Woche später trailerten wir den Adler nach Hause.

Es braucht keinen Kompressor, um einen Adler aufzuladen. Ähem, kleiner Scherz...

Am nächsten Tag begann ich mit der gründlichen Bestandsaufnahme des "Adlerwagens", oder einem "Survey" wie ich es ja gern zu nennen pflege (siehe auch hier). Der Wagen wurde zuerst einmal durchfotografiert, um den Status quo zu dokumentieren.





Dann fing ich an, alle definitiv nicht originalen und nicht wieder zu verwendenden Anbauteile abzubauen und zu entsorgen. Ich wollte keine wilde 1970er-Jahre-DDR-Elektrik aus Ruhla mehr in meinem Frankfurter Auto haben. Und feststellen, welche Bohrungen im Armaturenbrett und an der Stirnwand getrost zugeschweißt werden können. Zu meiner Freude fand ich noch die originale Bosch Handlampen-Steckdose im Fußraum vor. Außerdem stellte sich der Winkerschalter als Teil der Originalausrüstung heraus. Dank Bosch Automotive Tradition kann man sich die Ausrüstungslisten seines Fahrzeuges herunterladen und alles abgleichen!

Zu den negativen Funden gehörte definitiv, dass alle Felgen nicht vom Adler stammen, obwohl sie so aussehen und auch super passen. Sie müssen von einem anderen deutschen Vorkriegsfahrzeug stammen, denn sie sind von Kronprinz. Leider aber 16 Zoll, und der Trumpf trägt original 17 Zoll. Die passenden Räder aufzutreiben wird nicht einfach werden.

Links original, rechts Fälschung. Weiß jemand, zu welchem Fahrzeug die rote Felge passt?
Leider ist der Motor nicht mehr der originale. Es ist zwar ein 1,7 Liter, aber nach Finden und Freilegen der Motornummer sah ich, dass sie nicht mit dem Typenschild an der Stirnwand übereinstimmt. Das ist nun keine Seltenheit nach fast 80 Jahren Autoleben, aber schade. Ich fand auch einen Unfallschaden im Bereich des Vorderwagens, der definitiv gerichtet werden muss. Leider sind auch die mächtigen Schweller beide einmal sehr dürftig geschweißt worden. Hier muss alles gründlich erneuert werden.

Positiv ist, dass alle relevanten Teile der Verdeckkonstruktion da sind und funktionieren – würden sie fehlen, wären sie so gut wie gar nicht aufzutreiben.

Leider wird die Liste der Fehlteile trotzdem immer länger, und ich werde meinen Spaß haben, alle Teile aufzutreiben.

Sehr frustrierend war bei der weiteren Bestandsaufnahme der Motor.


Der Vorbesitzer erzählte mir, dass er mit einem Bekannten versucht hatte, den Motor zum Laufen zu bringen. Allein diese Aktion bereitete mir Sorgen, denn ich predige immer, dies doch bitte bei lange stehenden Fahrzeugen bitteschön zu unterlassen, da man hier oft mehr kaputt macht, als man glaubt. Nun, es war eine neue Kraftstoffleitung mit Filter montiert und teilweise neue Kerzenstecker, im Kühler war neuer Frostschutz. Sie hatten es also tatsächlich versucht.

Als ich nach dem Ölstand schaute, sah ich, dass der Ölmeßstab kein Öl anzeigte, sondern nur weiß-gräuliches Schmierzeugs.... Oha! Wasser im Öl!

Also erstmal Öl ablassen. Erst mal kamen mir ca. 1-2 Liter klares Wasser entgegen. Schock! dann schleimte sich die Emulsion aus Wasser und Öl langsam raus. Ich nahm schließlich die Ölwanne ab und dies war das Bild, das sich mir bot:


Die Frage ist: Wie kommt Wasser ins Öl? Das Wasser war klar, kein grüner Frostschutz. Also, war es schon vorm Startversuch drin? Ist der Block gerissen? Aber dann wäre der Frostschutz reingelaufen. Regenwasser? Hätte der Startversuch geklappt, wäre der Motor definitiv sehr schnell ganz kaputt gegangen, da keine Schmierung erfolgt hätte.

Interessanterweise sehen Kurbelwelle und Pleuel noch gut aus. Gut, dass Wasser schwerer als Öl ist, so waren diese Bauteile nicht direkt dem Wasser ausgesetzt. Die Ölpumpe war voller Schmodder:


Das Teil sah so bemitleidenswert aus, dass ich es noch am selben Tag ausgebaut, gesäubert, zerlegt, geplant, wieder geschmiert und zusammengebaut habe. Das Wasser-Mysterium muss bei Ausbau und Zerlegung der Maschine dennoch gründlich untersucht und geklärt werden.

Fazit:
Wer ein Mittelklasse-Kabrio aus den 1930er Jahren sucht, noch dazu ein deutsches, der darf nicht allzu wählerisch sein. Trotz der negativen Befunde, die die positiven Befunde leider aufwiegen, erscheint mir der Adler nach wie vor als lohnendes Restaurierungsobjekt, das mit einigem Aufwand (ja, auch in finanzieller Hinsicht) wieder herzurichten ist.

Hier versteckt er sich: Der originale beigegraue Lack des Adler

Schönes Detail: Der originale Kühler. Rechts eingeschlagen: 1,7 AV

Das Produktionsdatum des originalen Tachos: 6 35, also Juni 35. Passt!


Und die Patina?

Tja, darüber haben wir uns lange den Kopf zerbrochen. Das Auto, so wie es da steht, ist ein Zeitzeuge. Ein Zeitzeuge aus der DDR. Es führt uns vor Augen, wie ein Auto von 1935 in den 1970er Jahren in der DDR "restauriert" und genutzt wurde. Das Ergebnis ist etwas, das man "Sekundär-Patina" nennen könnte: Der Lack ist furchtbar, überall platzt Spachtel ab, Details sind schauderhaft zurechtgebastelt. In Abgrenzung dazu steht mein oben gezeigter Adler 1,5AV "echte" Patina an originalem Lack, Chrom und Stoff. Dies macht ihn aus meiner Sicht extrem erhaltungswürdig.

Der DDR-Adler hingegen ist bereits "ruiniert": keine Oberfläche ist mehr original, alles war einmal auseinander und wurde "restauriert". Die wenigen originalen Teile, wie Instrumententräger, Lenkrad, Schalthebel etc. dürfen ihre Patina behalten, und an das DDR-Kapitel seiner Biographie wird der Adler ja nicht zuletzt durch seine Cord-Innenausstattung erinnern.

Oder wie sehr ihr das?

Donnerstag, 22. Mai 2014

Zeitmaschinen und Restaurierungs-Sünden im Deutschen Museum München



Vor ein paar Wochen war ich auf Kurzurlaub in der Isarmetropole München. Natürlich nicht, ohne das neue Verkehrszentrum an der Theresienwiese zu besuchen – und die Autos wiederzusehen, die mich schon als Kind faszinierten.

Was ich nun nach etlichen Jahren Abstand gesehen habe, hat mich erstaunt und überrascht. Sogar zumeist positiv. Die ausgestellten Autos wirken meist sehr authentisch – will heißen: sie kommen nicht überrestauriert daher, sondern erscheinen wie Gebrauchsobjekte. Das lässt sich oft wohl damit erklären, dass etliche Fahrzeuge schon vor Jahrzehnten am Ende ihrer Nutzung auf den unterschiedlichsten Wegen ins Museum kamen.


So stellt sich bei einem Großteil der Exponate ein "Zeitmaschinen-Effekt" ein: man denkt, die Autos seien eben noch unterwegs gewesen und gerade erst abgestellt worden.

Besonders beeindruckend: Ein großer Adler Standard 6 aus den späten 1920er Jahren. Er ist nachlackiert, es fehlt die Kühlerfigur, die Rücklichter sind falsch, die Stoßstangen silberbronziert usw. Aber man hat ihn vor Augen, wie er im Verkehr der 1950er Jahre als rollendes Fossil unterwegs war; oder auch, wie er in den 1970er Jahren irgendwie als Oldtimer fahrbereit gemacht wurde, ohne schäbig oder peinlich zu wirken.



Oder nehmen wir diesen blauen Buckel-Taunus: Zusatzblinker, D-Schild, so fuhr man damals. Die Exponate sind Zeitzeugen, erzählen ihre Geschichte.



Dann gibt es aber auch noch einige Fahrzeuge, die wohl in den 1970er, bzw. 1980er Jahren "restauriert" worden sind. Besonders sind mir da zwei frühe Motorräder aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg aufgefallen: Eine Maschine aus der Produktion von Seidel & Naumann und eine von Phänomen.


Ich behaupte einfach mal, dass diese Maschinen vor der "Restaurierung" wohl relativ komplett und relativ gut erhalten gewesen sein müssen, da sie viele seltenene Originalteile aufweisen. Leider wurden sie komplett überarbeitet und können als ein gutes Beispiel dafür dienen, dass man die originalen Schriftzüge und Linien eigentlich nie mehr so gut trifft, wie sie bei der Auslieferung waren.

Irgendwas stimmt hier nicht...Neigung, Buchstaben, das G?

Ein seltenes Geschmacks-Phänomen: Glitzer, Glitter und Fingerfarben? War hier eine Grundschulklasse am Werk? 
Stellt sich die Frage: Bleibt das so? 
Diese "Restaurierungen" sind eigentlich schon wieder historisch: Zeugnisse aus der Oldtimerei der 1970er und 80er Jahre. Leider geschieht so etwas auch heute noch regelmäßig, und schöne Patina wird ausgelöscht weil jemand denkt, er müsse und könne alles in den "Auslieferungszustand" versetzen – aber den gibt's halt nur ein mal...

Zwei Mal Ford: Neu verchromt, aber wo ist das Emaille? Warum? Wieso?
Dann doch lieber original und patiniert!

Natürlich ändern meine Ausführungen nichts an der Tatsache, dass das Deutsche Museum nach wie vor sehenswert ist. Man muss die Fahrzeuge nur auf sich wirken lassen und sie im Kontext ihrer Nutzung betrachten. Und die "Restaurierungen" – na ja, die sind sind eben auch schon wieder historisch. Ob sie auch erhaltenswert sind, sei dahingestellt.