Samstag, 19. Oktober 2013

Auf Achse nach Amiens!

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Die deutsche Vorkriegsszene hat ein Nachwuchsproblem. Warum? Nun, vielleicht, weil uns grau bekittelte Opis über Jahrzehnte eingetrichtert haben, dass Autos mit frei stehenden Kotflügeln glänzen müssen wie Uschi Glas, und sowieso zum Fahren zu schade sind.

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Die Vintage- und Cyclecar-Szene gibt sich da erfreulich schmerzfrei: Substanz zu konservieren ist hier Bestandteil der Gesamtphilosophie, und selbst restaurierte Fahrzeuge werden nicht ständig blank geputzt – schließlich wollen die Herrschaften ja möglichst viel und weit fahren.

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Auf Achse zu Treffen zum Beispiel. Das dauert zwar mitunter mehrere Tage, scheint aber enorm Spaß zu machen: Stefan Marjoram hat seinen Road Trip zum hundertjährigen Jubiläum des Grand Prix von Amiens in Bild und Film dokumentiert – zieht's euch rein!


Freitag, 18. Oktober 2013

Wertevernichten leicht gemacht: Das Beispiel 300 SL

Bild: Hemmings
Dass eine Testfahrt mit einem 300 SL im Straßengraben endete und 650.000 Euro Sachschaden verursachte, rang mir vor einigen Monaten nur ein müdes Schulterzucken ab. Bin ich etwa zu herzlos? Zu abgebrüht? Gar ignorant? Vielleicht von allem ein bisschen.

Besonders da ich weiß, in welchem Ausmaß die 300 SL-Klientel ganz selbstverständlich Werte vernichtet. Durch "Restaurierungen" nämlich. Paradebeispiel: Einer von 29 Leichtbau-SL, von dem der Hemmings Blog erzählt.


Resurrection - Car Arrives at the Shop from Rudi & Company on Vimeo.

Der Erstbesitzer hatte den Wagen 1955 von seinen Eltern zum College-Abschluss geschenkt bekommen und fuhr ihn bis in die 70er Jahre. Dann scheiterte eine Reparatur am Antriebsstrang – und der SL blieb 40 Jahre lang in der Garage stehen. Außenrum sammelte sich Krempel an, Staub legte sich auf dem dunkelblauen Lack nieder.


Resurrection - Day 4 of Restoration from Rudi & Company on Vimeo.

Über verschiedene vermittelnde Instanzen gelangte der Wagen in die Fänge seines neuen Besitzers, der in Santa Monica zu Hause sein soll. Sicher wohlhabend, der Mann. Oder jedenfalls wohlhabend genug, um die sichtbare Geschichte des Wagens von einer Restaurierungsfirma komplett auslöschen zu lassen. Der schrittweise Niedergang ist in mehreren Videos gut dokumentiert. Wobei ich zugeben muss, dass ich das Trauerspiel nicht bis zum Schluss verkraftet habe...

Noch erzielen Hochglanz-SL Höchstpreise. Aber auch der Flügeltürer wird bald dem Trend zur Patina folgen müssen. Ob der Herr aus Santa Monica nicht nur wohlhabend, sondern auch langmütig genug sein wird, sich dann nicht zu sehr zu ärgern?

Sonntag, 9. Juni 2013

Der Kaffeeverkäufer: NSU-Fiat 500 C Kombi

Hochhackiger Imbisswagen war gestern: Am Heck dieses NSU-Fiat 500 C Topolino begegnen sich geschäftstüchtiger Kaffeeverkäufer und aromabewusster Konsument endlich auf Augenhöhe. Was vorrangig an dem Heilbronner Exil-Italiener liegt: Den findet so ziemlich jeder knuffig. Und dann sieht er auch noch aus, als sei er gerade erst aus einer Scheune gezerrt worden – bewusst oder unbewusst weckt das Phantasien. Auf Messen und Großveranstaltungen in ganz Deutschland ist der Kaffee-Topolino deshalb anzutreffen, ich entdeckte ihn auf der Leipziger Buchmesse.

Die Blechsubstanz des Wagens scheint gar nicht so schlecht zu sein: Mit ein wenig Arbeit ließe sich der Exil-Italiener bestimmt auch wieder auf die Straße bringen – was ein guter Plan wäre, denn den 500er Kombi gab es in dieser Form nur in Deutschland. Rost im Schwellerbereich und am Bodenblech ist Topo-typisch und ließe sich beheben, ohne die Grundsubstanz sichtbar anzugreifen.

Aber: Dellen in den Radkappen? Aufkleber-Reste in Badenixen-Form auf der Motorhaube? Matter Lack? Das gehört wohl eher zum Charakter – vollrestaurierte Topolinos gibt es schließlich genug, und dieser erzählt wohl offen von der Sturm-und-Drang-Zeit seines Vorbesitzers. Dass die Heißgetränk-Firma das Faltdach durch eine Art Podest ersetzt hat und die Werbung auf den Türen "ordentlichen Bohnenkaffee" verspricht, fällt da kaum mehr auf.

Bevor ich wieder ging, wollte ich dann aber doch noch genaueres über den Topo und seine Wirkung wissen. So fragte ich den beschürzten Mann am Koffein-Auswerfer, ob er denn des öfteren auf den Fiat angesprochen werde. Antwort: „Nee, die Leute wollen alle nur Kaffee trinken…“ Nun ja – ich glaube, hier verkauft kräftige Patina kräftig mit!


Tipp: In Auto Classic 4/2013 könnt ihr eine ausführliche Topolino-Kaufberatung nachlesen!

Sonntag, 31. März 2013

Außen pfui, innen hui: Jonathan Ward und seine Derelicts

Bild: ICON/Chevrolet 1952 Styline Deluxe Coupe Derelict

Die Tuning-Szene kennt sie als "Ratten": Scheinbar verwahrloste Autos, die unter ihrer ranzigen Hülle frische Technik verbergen. Und meistens auch ein paar zusätzliche PS.


The Derelicts a short film by eGarage from eGarage on Vimeo.

Der Kalifornier Jonathan Ward geht mit seiner Firma ICON noch einen Schritt weiter: Seine "Derelicts" sehen aus wie Patina-Queens – und das waren sie auch mal. Kaum verbrauchte Originale, die unter günstigen Bedingungen sichtlich altern konnten, ohne strukturell zu verfallen. Ward verpflanzt ihnen moderne Technik unter die sonnengebürsteten Blechhaut. Außen pfui, innen hui: In seinem 52er Chrysler Town & Country (mit De Soto-Front!) schlummern nicht weniger als 425 PS.



Ward spürt in ganz Amerika patinierte Autos auf, strickt sie um, und macht aus ihnen individuelle Style-Maschinen, die sich dank ihrer modernen Technik im Alltag bewegen lassen. Neu ist das nicht, eher eine moderne Interpretation des Customizing-Gedankens.

Autofans staunen, die Patinatoren weinen.

Lesenswert: Auto Bild berichtete in Heft Nr. 3/2013 über die Derelicts. Titel: "Die perfekte Patina"...


Gourmet Films Presents "Icons & Derelicts" Part 2 from Gourmet Footwear on Vimeo.

Montag, 25. März 2013

Wie konserviert man eigentlich einen Le Mans-Sieger?

1967 gewannen Dan Gurney und A.J. Foyt mit dem All-American Racers-Team die 24 Stunden von Le Mans. Ihr Siegerauto, ein Ford GT 40 Mk. IV, steht heute im Henry Ford-Museum in Dearborn. Chefkonservator Matt Anderson erklärt in diesem Video die Geschichte des Wagens, warum er noch in unberührtem Zustand ist – und warum nun doch Hand angelegt werden muss: Beim Transport nach Goodwood letztes Jahr erlitt der GT einen leichten Transportschaden. Den repariert indes kein geringerer als...Dan Gurney's All-American Racers!

Mittwoch, 20. März 2013

Gekauft, verbraucht, vergessen – Goliath GP 700

An irgendeinem Punkt seines Lebens war jeder Oldtimer ein einfacher Verbrauchtwagen – besonders dann, wenn er ein ladefreudiges Kombi-Heck trug. So wie dieser Goliath GP 700 (ab 1952 als Kombi erhältlich), schätzungsweise Anfang der 70er Jahre in einer niederländischen Stadt fotografiert. Von Pflichterfüllung gezeichnet, hat ihn die Schönheit seiner klaren Form längst verlassen – die junge Frau, die da behände ihren Kinderwagen durch den oberen Bildrand schiebt, wird sich wohl gefragt haben, was es an einer so wüst vergammelten Karre zu fotografieren gibt...

SP-99-49 Goliath GP700 Kombi 1955
Photo Credit: Ted Xopl2009 via Compfight cc

Über 40 Jahre ist das jetzt her, der Goliath sicher längst verschrottet. Und was lernen wir daraus? Vielleicht, dass nach der Auslieferung eines Autos die Zeit nicht einfach stehen bleibt...

SP-99-49 Goliath GP700 Kombi 1955
Photo Credit: Ted Xopl2009 via Compfight cc

Donnerstag, 14. März 2013

Familienerbstück: Stutz DV-32 von 1932

In diesem Video stellt der amerikanische Sammler Jim Callahan seinen 1932er Stutz DV-32 Custom Lebaron Sedan vor. Ein "survivor", ähnlich dem kürzlich hier vorgestellten Brezelkäfer aus Schweden.

Der Tachostand von nur 23.000 Meilen macht den raren Luxus-Amerikaner besonders begehrenswert – zum Farbtopf zu greifen hieße, ihn zu entwerten.



Callahan erzählt die Biographie des Wagens: Von einem wohlhabenden Ingenieur aus Chicago als "Zweitwagen" neben einem Nash angeschafft, musste der Stutz schon 1939 eingemottet werden, weil sich nur für ein Auto Reifen beschaffen ließen. Als der Besitzer 1975 starb, war er bereits ein mal mit seinem Auto nach Rockford/Illinois umgezogen – ohne es jemals wieder zu fahren. Seine Tochter setzte die "Tradition" fort, brachte den Wagen in ihre Garage nach Wisconsin, und hob ihn dort bis 2012 auf.

"It's an exquisite piece of art", sinniert der glückliche Besitzer. Recht hat er!